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Sonntag der Samariterin

Опубликовано: 21 мая 2011

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Антоний (Блум Андрей Борисович), митрополит

Аннотация. „Verhalten wir uns etwa so zu den Menschen? Teilen nicht auch wir die Menschen in „Unsere“ und „Fremde“, in Freunde und Feinde? Wir sind jedoch dazu berufen, nicht zu den Freunden Gottes zu gehen, sondern zu Seinen „Feinden“, um ihnen die Kunde vom Heil, die Nachricht vom Neuen Leben, welches in Gott ist und welches auch ihnen gegeben ist, zu bringen.“ – aus einer Predigt zum Sonntag der Samariterin von Metropolit Antonij von Sourozh

20. Mai 1984 

Als Christus mit der Samariterin sprach, reagierten Seine Jünger mit Erstaunen. Wie konnte Er mit einem fremden Menschen reden? Doch Gott ist für alle da. Er hat alle geschaffen und Seine Liebe umarmt alle Menschen. Zu allen ist Chritus gekommen. Für alle hat Er unter uns gelebt und für alle ist Er gestorben. Für alle hat Er es auf sich genommen von Gott verlassen zu sein und ist in jene verborgene und furchtbare Hölle, die in jeden Menschen ihr Unwesen treibt, hineingegangen. Die Jünger teilten die Menschen immer noch in die „Ihren“ und in die Fremden. Christus jedoch umarmt alle mit der gleichen Liebe. Auch wir, die wir uns Christen nennen, sind dazu berufen, ebenso allen Menschen entgegenzugehen, um deren willen der Heiland auf die Erde gekommen ist, um deren Willen Gott Vater Seinen Einziggeborenen Sohn in den Tod gegeben hat.

Verhalten wir uns aber so zu den Menschen? Teilen nicht auch wir die Menschen in „Unsere“ und „Fremde“, in Freunde und Feinde? Wir sind jedoch dazu berufen, nicht zu den Freunden Gottes zu gehen, sondern zu Seinen „Feinden“, um ihnen die Kunde vom Heil, die Nachricht vom Neuen Leben, welches in Gott ist und welches auch ihnen gegeben ist, zu bringen.

Am Ende der heutigen Evangeliumslesung spricht der Heiland: Das Feld hat sich gelb gefärbt, die Ernte ist herangereift, doch nur wenige wollen sie auch einsammeln. Wenn wir uns umschauen und unsere christliche Gesellschaft betrachten, unsere Kirche und alle anderen Kirchen, die sich christliche nennen - und das zu Recht –, erschauern wir dann nicht etwa bei dem Gedanken, dass wir so viele sind, das Wort Gottes jedoch unter uns stirbt? Es erklingt, doch erstirbt sofort. Es ertönt, doch mehr ist dann nicht mehr zu hören. Wir sind aber dazu berufen, wie Christus zu sein, als ob Er weiterhin auf unserer Erde wandeln würde. Wir sind dazu berufen, hier auf der Erde von Ihm Zeugnis abzulegen, quasi Seine Existenz als Mensch unter uns fortzusetzen, ja sogar Ihn Selbst, wie ebenso den Heiligen Geist, Der in uns wohnt, anwesend werden zu lassen.  Und was sehen wir? Millionen von Menschen dürsten nach der Wahrheit, dürsten nach einem Wort der Hoffnung und der Liebe. Sie dürsten nach einem Wort des Glaubens. Sie dürsten danach, dass jemand zu ihnen kommt und ihnen von Christus erzählt, jemand, in dem sie Den erkennen können, Der diesen Menschen zu ihnen gesandt hat: den Heiland. Keinen Richter, sondern einen Freund, der auch einem Juda sagen kann: „Sei gegrüßt mein Freund!“ Die Felder sind reif geworden, doch Millionen dürsten, Millionen stehen vor dem Abgrund. Wir jedoch leben verschlossen, so als ob wir uns fürchten.

Als die Samariterin von Christus Worte gehört hatte, die tief in ihre Seele eingedrangen, so wie lebendiges Wasser in die vertrockene Erde der Wüste sickert, hat sie alles stehen und liegen lassen. Sie hat vergessen, weswegen sie zum Brunnen gekommen war. Sie eilte in die Stadt, um den Menschen dort von dem Wunder zu erzählen und dass Sie Jemanden getroffen hat, in Dem sie den Messias erkannt hat, den Heiland der Welt, den Christus. Was sie erzählte und was mit ihr geschehen war, war von solcher Art, dass die Menschen ihr glaubten und zu Christus liefen. Wer aber von denen, die unser Wort hören, ist bereit alles stehen und liegen zu lassen, seine erfolglose Suche aufzugeben, um zu Christus zu gelangen, Der die Wahrheit ist, der Weg und das Leben? Unser Zeugnis ist trübe und blass. Ihr Zeugnis war wie eine Flamme, es war durchsichtig wie das Licht. Die Leute haben ihre Worte gehört und dabei die Frau nicht mehr gesehen. Wie oft sehen jedoch die Menschen,   wenn wir reden, nur uns und hören unsere Worte gar nicht, welche durch uns ertönen, durch uns zum Klingen gebracht werden und durch uns wie durch ein durchsichtiges Gefäß als Worte des Lebens zu den Menschen gelangen sollen?

Nachdem die Leute zu Christus gekommen waren, sagten sie der Frau etwas, worauf wir heute oft mit Beleidigung reagieren. „Wir glauben nun nicht mehr, weil du es uns gesagt hast, sondern weil wir es nun selbst gesehen haben.“ Wie oft aber wollen wir, dass ein Mensch, den wir zu Christus geführt haben, sich voller Dankbarkeit an uns erinnert und nicht vergisst, dass wir ihm die Pforte zu Kirche geöffnet haben, dass wir ihm die Freude aufgetan und die Hoffnung und den Keim des Glaubens eingepflanzt haben? Mit welch einer Bereitschaft jedoch trat die Samariterin in den Hintergrund? Es geschah mit ihr das Gleiche, was auch Johannes dem Täufer wiederfahren war. Christus ist vor den Leuten zu Seiner vollen Größe hernangewachsen und Johannes wurde daraufhin ganz vergessen.

Lasst uns darüber nachdenken, welchen Platz wir einnehmen beim Heil dieser Welt. Oft höre ich Leute sagen: Warum sind wir so wenige? Warum entzündet diese wunderbare Botschaft der Orthodoxie nicht die Herzen der Menschen und lässt nicht alle um uns herum das Licht finden? Die einzige Antwort lautet: Wir sind es, die unsere Orthodoxie trübe machen, unser Wort ist schwach, wir fürchten uns, es mit aller Kraft und lautstark zu verkünden und unsere -  besser gesagt, Gottes Frohe Botschaft mit unserm Leben zu verkünden.

Lasst uns über die Samariterin nachdenken. Christus ist zu allen Menschen gekommen. Er hat uns verkündet, dass eine Zeit kommen wird, in der man nicht hier und nicht dort, also an konkreten Orten, die wahren Verehrer Gottes suchen muss, sondern die, die Gott im Geist und in der Wahrheit verehren. Dieser Geist, diese Wahrheit soll durch uns der Welt aufscheinen. Wir sind in die Welt gesandt, wir sind nun die Apostel Christi, wir sind Seine Zeugen und nach uns wird man Christus beurteilen. Lasst uns deshalb über unsere Verantwortung nachdenken und voller Freude unseren Reichtum, unser Glück, unseren Glauben, unsere Hoffnung und den Jubel, alles, was Chritus uns schenkt, mit den Menschen teilen.

Amen.

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